Dienstag, 8. September 2009

Da dreht sich Fu in der Sockenkiste um

Heute, verehrte Gäste, ist der Weltalphabetisierungstag. Ein Tag, der sich der Bildung und hauptsächlich den Menschen widmet, die weder lesen noch schreiben gelernt haben.

Welch schöner Anlass, um mal wieder im Bücherregal zu kramen und euch zu erzählen, welche Bücher mich in der letzten Zeit so richtig getoucht haben.

Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel soll den Leser laut Klappentext "wieder an Gott glauben lassen" und wird, sogar recht überzeugend, als wahre Geschichte ausgegeben. Die Behauptung entpuppte sich nach kurzer Eigenrecherche als Humbug, bzw. Zugpferd. Es ist auch kein Buch, das mich tatsächlich geistig weiterbringen konnte. Es war... nett. Ja, nett. Die Geschichte ist durchtränkt mit Metaphern und Anregungen zum Nach- und Weiterdenken. Laut Rezensionen scheint das für viele Leser eine immense Herausforderung gewesen zu sein und sie heben dieses Buch aufgrunddessen ziemlich in den Himmel. Das ist meiner Meinung nach übertrieben, denn mehr als umblättern musste ich bei der Lektüre nicht. Knappe 400 Seiten Kurzweil rocken allerdings, wenn man sich grad mal nicht mit dicken Schinken auseinandersetzen möchte.


Benjamin von Stuckrad-Barre ist zahlreich in meinem Bücherregal vertreten und ich habe zumindest drei seiner Publikationen bereits in meiner zarten Jugend gelesen - und nicht verstanden. Nun packte mich vor ein paar Wochen der Eifer und ich nahm sie mir erneut vor. Hintereinander weg gelesen wird es bisweilen etwas anstrengend und fad, unterhält aber ganz fabelhaft. Genau die drei Bücher (Solo-, Livealbum und Remix 1), die ich früher nicht verstand, sind meiner Meinung nach die am besten gelungenen. Ab Remix 2 wird es dann zäh und man überspringt gerne mal ein Kapitel, weil einem das Thema, für das man ohnehin nicht empfänglich ist, nicht einmal durch attraktive Schreibe interessant erscheint. Doch der gute Benjamin hat es, natürlich mit Ausnahmen (Koks!)*, immer gut verstanden, mich zu beflügeln und erfüllt ein bisschen schreibliche Vorbildfunktion.

*Genau so hätte er das nun auch formuliert.


Ja, ich tat es tatsächlich. Ich habe Twilight gelesen. Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass es ein Geschenk von einer wunderbaren Freundin war und ich hin und wieder eh dazu neige, leicht verdauliche Kost dankbar in mich aufzusaugen. Das Erstlingswerk ist erschreckend einfach geschrieben und man schämt sich nach jedem beendeten Kapitel fast ein wenig, etwas so simples in den Händen zu halten. Dass die Geschichte tatsächlich von einer erwachsenen Frau stammt, mag man, bei so viel pubertärer Schwärmerei darin, gar nicht glauben. Immer wieder kommen sich die beiden Hauptprotagonisten näher und als Leser ist man geneigt zu schreien "Nun poppt doch endlich mal!", aber mehr als Mormonengedankentum ist nicht drin. Doch dieses Buch ist mit all seiner niedlichen Leichtigkeit gut und vermag den Leser für einen Moment von Schwere, Arsch und Titten abzulenken.

Alice im Wunderland von Lewis Carroll - ein Klassiker. Es lag schon viel zu lange ungelesen bei mir herum. Man stelle sich nur vor, ich hätte es tatsächlich schon vor fünf, zehn oder gar zwölf Jahren gelesen. Bis heute wäre es von mir schon unzählige Male wieder hervorgeklaubt worden. Eine Unglaublichkeit. Aber ich freue mich schon darauf, es ab nun immer wieder in den Händen halten und neue Dinge darin entdecken zu können.

Ausweitung der Kampfzone von Michel Houellebecq bekam ich auf einer Reise von meinem liebsten Freund geschenkt. Es ist ein menschenverachtendes und hasserfülltes Buch - ganz entzückend! Es zeigt auf, wie sehr sich die heutige Generation von Geld, Aussehen und Sexualität (ver)leiten lässt und die Hauptfigur betrachtet diesen Zustand resignierend und neidvoll. Das ist es, was die Geschichte traurig macht. Während man liest, fühlt man sich von Zeit zu Zeit so unwohl und muss sich beherrschen, nicht ähnlich gramvollen Gedanken zu verfallen. Nachdem ich die letzten Seiten noch leidvoll in mich aufsog und das Buch dann ersterbend zuklappte, trug ich noch ein paar Stunden ein grauenvolles Gefühl mit mir herum. Das ist nun glücklicherweise abgeklungen und zurück blieben eine Anzahl an Lieblingszitaten, wovon ich eines ausdrücklich wiedergeben möchte:

"Welch ein Kontrast zur absoluten, wunderbaren Macht des Lesens! Ein Leben lang nichts als lesen, das hätte meine Wünsche erfüllt; ich wusste es schon mit sieben Jahren. Die Beschaffenheit der Welt ist schmerzhaft und ungeeignet; ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern lässt. Wirklich, ein mit Lesen ausgefülltes Leben hätte mir besser gepasst.
Ein solches Leben war mir nicht vergönnt."

Kommentare:

flex hat gesagt…

Ausweitung der Kampfzone hab ich auch gelesen. Ein sehr depressives und trostloses Buch. Das einzige was mich stört sind die eingestreuten, philosophischen (Tier)geschichten. Ich denke das Buch wäre besser ohne sie, denn sie tragen absolut nichts zur Story bei und ein Roman sollte nicht versuchen didaktisch zu sein. Mein Lieblingszitat aus dem Buch ist folgendes:

Nicht, dass ich mich sehr niedrig fühlen würde; es ist eher die Welt um mich herum, die mir so hoch vorkommt

Frau Blod hat gesagt…

Bezüglich der Fabeln gebe ich Dir recht. Die sind mir auch einfach komplett abhanden gekommen, weil sie eben, wie Du schon sagtest, nichts zur eigentlichen Geschichte beitrugen.

In nächster Zeit werde ich mich mal nach einem weiteren Houellebecq umsehen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich aufgrund des herbstlich tristen Wetters im Affekt umbringe.

cryi hat gesagt…

und, schon das gelesen was ich dir vor ewigkeiten mal geschickt hab?

Frau Blod hat gesagt…

Und, schon den Beitrag komplett gelesen? :p

cryi hat gesagt…

nö, man wird ja wohl mal fragen dürfen?

cryi hat gesagt…

huch *kicher*
aber es klingt beinahe so, als wäre es dir peinlich :(

Frau Blod hat gesagt…

Keine Sorge, ich bediene mich nur gern stilistischer Mittel. ^_^

wurmwesen hat gesagt…

Twilight ist zur Zeit mein Lebensinhalt, weil ich darüber eine Hausarbeit schreibe. Ja, dieses Buch hat es tatsächlich in die Universität geschafft. Zumindest in ein Blockseminar zu Verlagsmarketing und Fantasy-All-Age-Literatur...

Also, runter mit den Hüllen und sich in die Arme Edwards (oder eines anderen Vampir-Favoriten) schmeißen!

@cryi: Du LEBST noch :)

wurmwesen hat gesagt…

PS: Mein momentanes Lieblingszitat stammt aus einem Werk von Terry Pratchett:

Eine gute Buchhandlung ist wie ein freundliches Schwarzes Loch, das lesen gelernt hat.

flex hat gesagt…

Von Elementarteilchen kann ich dir abraten. Zumindest fand ich persönlich das Buch total öde. Vielleicht verstecken sich da ja auch irgendwelche Weisheiten drin, die mir schlichtem Gemüt entgangen sind, aber ein Roman sollte mich in erster Linie unterhalten und das hat es in diesem Fall nicht. Den Film fand ich übrigens genauso schlecht.