Angst ist Gewohnheit.
Habe ich gelernt.
Ein zu Ängsten neigender Mensch folgt den immer gleichen Denkmustern, die ihn das Leben zu denken gelehrt hat. Denke und Körper arbeiten dann eng zusammen und physische Reaktionen folgen auf Gedanken und Phantasien. Üblerweise ist unser Körper dumm. Oder eben auch perfekt abgestimmt auf die Befehle unseres Kopfes. Das kommt halt ganz auf die Situation an: Ertönt ein lautes Geräusch und wir schützen automatisch unsere Ohren, dann ist das klug und Schreckangst, denn wir bewahren uns vor schlimmen Schäden und alles hat einen Sinn. Geräusch! >> man denkt "Auaaa!" >> Körper reagiert, Hände werden über die Lauscher gelegt.
Werden wir in die Enge getrieben und bedroht, treibt uns die Angst möglicherweise soweit, uns zu wehren und besonders schnell fort zu laufen. Der Körper reagiert mit Flucht. Das hat was mit Hormonen, erweiterten Gefäßen, erhöhter Herzfrequenz und all dem zusammenspielenden Kram zu tun. Alles top, muss so sein.
Unser Körper ist das Instrument unserer Gedanken.
Nun ist aber auch unser Hirn nicht in jeder Situation schlau. So kann es z. B. Verneinungen nicht verstehen. Ist ja momentan total angesagt: Denke nicht an einen meditierenden Mick Jagger!
Seht ihr, funktioniert nicht. Es ist nämlich so, dass unser Körper alles für bahre Münze nimmt, was wir uns im Kopfe erspinnen (wenn wir geneigt sind, uns dem hinzugeben, dramatisch zu sein, Angst zu haben). Sagen wir, es sitzt so ein armer ängstlicher Mensch in seinem Kämmerlein und fürchtet sich davor, der Partner könne ihn betrügen. Das Angstmenschlein ängstigt sich und malt sich grauenvolle Situationen aus. Vielleicht wie die Frau von Cowboys aufgegabelt wird oder auch ganz ernst, der Mann eine Affaire mit einer Kollegin eingeht. Unser Hirn versteht nun aber nicht nur kein Nein, sondern auch kein vielleicht, kein könnte und würde, usw, sondern sieht alles als gegeben an. So, als wäre alles längst passiert (Denn sonst würden wir uns ja keine Gedanken dazu machen. Denkt unser Hirn. Spacko.). Der Körper des irrationalen Angstmenschen reagiert daraufhin mit Schmerz und Kummer, Tränen, Krämpfen und Magenschmerzen und... Nun fühlt sich dadurch wieder das Hirn des Angstmenschen bestätigt. Denn: Wenn der Körper schon krampft und weint, muss es dafür auch einen Grund geben, also mache ich, dumm wie ich Hirn bin, mal weiter mit schlechten Gedanken und Signalen senden. Da kommt man nie wieder raus!
Nä. Wie bereits erwähnt, ist die Angst eine Gewohnheit und Gewohnheiten kann man verlernen, bzw. durch eine andere Gewohnheit ersetzen. Das ist äußerst langwierig, erfordert viel Disziplin und den nötigen Mut, sich mit seinen Ängsten und somit auch dem Schmerz auseinanderzusetzen. So wird man z. B. angehalten, sich so lange es geht in der akuten Angst aufzuhalten anstatt zu fliehen oder sich in einem Gefühlsgewusel in ihr zu verlieren, damit man erkennt, dass nach einer Weile automatisch Besserung eintritt. Es ist so, dass kein Mensch mit seiner Angst einen bestimmten Zeitpunkt übertritt, denn sehr lang macht der Körper die Fluchtbereitschaft schlicht nicht mit. Hilfreich ist obendrein, seine Angst zu kanalisieren, indem man währenddessen schreibt oder malt. Visualisierung, das Konzentrieren auf laute Musik oder einfaches abwechselndes Tippen auf die Oberschenkel bringt Angst-Hirn-Körper auch aus dem verängstigten Konzept. Man kann übrigens auch keinerlei Angst empfinden, wenn man summt oder singt. Es ist einfach nicht möglich.
Schön ist, das stand bisher in keinem meiner Bücher, dass der analytische Umgang mit der Angst präventiv wirkt. Ich bin kein Mensch mit Panikstörung oder Angst, aber ich sorge mich durchaus auch mal sehr und daraus entwickelt sich schnell Kummer und daraus kann dann auch Angst werden. Wissen entwaffnet den Feind, die Angst, erstickt den Keim. Du weißt plötzlich, wie du mit ätzenden Situationen umgehen musst, damit du gesund aus ihnen hervorgehen kannst. Denn niemand verbietet, bereits bei Sorgen zu schreiben und Lösungswege zu finden, um es gar nicht erst bis zur "richtigen" Angst kommen zu lassen.



0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen